Harry S. Morgan – Die Hintergründe
Erstellt von socrates am Donnerstag 6. März 2008
*Er ist eine Institution im deutschsprachigen Porno. Der Mann mit der Kappe, der Mann mit dem Händchen für authentische Szenen, der Mann mit dem Näschen für tolle Sex-Talente. Der Mann, der so gar nicht dem „Goldketterl“- Image eines Horizontal-Regisseurs entspricht und der sich erst einmal die Weihen des seriösen Journalismus holte, bevor er sich so erfolgreich in die Niederungen der Erotik begab…
einiges mit, z.B. wie sich der Markt seit Anfang der 80er Jahre verändert hat: „Die goldenen Zeiten der Profis sind vorbei. Heute kann ja jeder Filme machen – glaubt man jedenfalls!“ Doch Harry ist der beste Gegenbeweis, denn auf lange Sicht gesehen, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Nur die großen Namen haben Zukunft. Und zu denen zählt der Harry schon lange. Ganz besonders intensiv hat der Regisseur sich als der Mann mit der Kappe immer mit dem Blick ins deutsche Privatleben beschäftigt und dabei festgestellt, dass der bevorzugte Piefke-Sex durchaus nicht nur 08/15-Blümchensex ist, wie mancher bis dahin vielleicht glaubte. Diese Erkenntnis nutzte er für seine MAXIMUM PERVERSUM- und TEENY EXZESSE-Serie aus. Da wird gepisst, gefaustet und anal geschachtet, dass es nur so kracht. Aber auch in das Innenleben von Männlein und Weiblein hat der Porno-Produzent, der „ganz normale Menschen von nebenan“ bei ihren heimischen Aktivitäten filmt, einen tiefen Einblick im Laufe der Jahre gewonnen, und er bringt die Sache auf den Punkt: Männer „sind sprachlich gehemmt“, Frauen erzählen „viel interessanter, viel direkter, viel schweinischer.“ Harrys eigene Vorlieben und Geschmacksgrenzen geben dem Ganzen allerdings immer einen Rahmen. Alles mit der ihm eigenen Prise trockenen Humors und technischer Perfektion, die seine Filme weit über den durchschnittlichen Stumpfsinn heben. Am spannendsten für ihn selbst und auch für die Porno-Konsumenten ist aber zweifellos sein Schlüsselloch-Blick ins Schlafzimmer des deutschen Durchschnitts-Paares. Und selbst da kommen ihm seine „seriösen“ Wurzeln des Journalismus zu Gute, wie er in einem Interview über seine Arbeit gern anschaulich erzählt: „In den drei Jahren bei der „BILD“ habe ich richtig gelernt, wie man die Witwe des verunglückten Bergmanns möglichst clever aus ihrem Seelenschlaf ‘rausholt, sie interviewt und gleichzeitig noch photographiert, dann das Photo des Verstorbenen mit der Kerze da hinstellt und sagt: ‘Sie trauert um ihren verstorbenen Mann’. War aber ‘ne gute Schulung, weil man da gelernt hat, sehr hart zu werden und sehr auf den Punkt hinzuarbeiten. Bei einer „Spiegel“-Reportage über Pornographie 1972 habe ich einige Porno-Leute kennen gelernt. Die haben mich anschließend mal angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, so nebenbei ein bisserl Geld zu verdienen. Na, nun habe ich für die photographiert, ein paar Geschichten geschrieben und so. Aber mein Ziel war immer, ins Regie- Fach zu gehen, und da gab ‘s eben einfach Probleme, und wenn man den Hunger hat, auf diesem Gebiet zu arbeiten, dann nimmt man auch Angebote in Sachen Pornographie an. Ich bin durch diese Branche auch schnell in etwas leitende Funktionen geraten, in denen ich ein bisschen meinen eigenen Stil, meine eigenen Ideen und meinen eigenen Willen durchsetzen konnte. Hinzu kam dann, dass ich irgendwann mal sagte: „Porno an sich ist langweilig!“ Es wird überall in der Welt produziert,
Tausende von Minuten, und es ist immer das gleiche. Da besann ich mich des Journalisten in mir und dachte: Das Interessanteste ist ja eigentlich, wenn am Samstag beim Nachbarn gegenüber abends um 18 Uhr die Rollläden ‘runtergehen, und alle Leute die Sportschau gucken. Wieso geht bei denen der Rollladen ‘runter? Also sagen sie alle: ‘Jetzt möchten wir mal gerne wissen, was da passiert’. Also: Die Neugierde. Nun habe ich gesagt: Wir müssen einfach mal ‘was anderes machen, wir müssen hingehen mit der Kamera, bei Leuten an die Tür klopfen und fragen: „Hört mal, was macht Ihr denn dann, wenn bei euch die Rollläden ‘runtergehen? Bumst Ihr dann oder was macht Ihr?“ Und aus dieser Grundidee, die Neugierde des Nachbarn auszunutzen, kam es zu dieser Interview-Kiste. Wovon die Serie lebt, ist wohl der entlarvende Moment. Da gibt es ja diese wunderbare Szene, mit dem Paar, das schon sooo lange verheiratet war, und der Mann erzählt, wie das noch so gut klappt. Die wollen es unbedingt im kleinen Badezimmer treiben. Er will sie immer anal nehmen und sie sagt dann immer: ‚Du Arschloch, du!’ Da sagen doch die Zuschauer: ‘Guck mal, bei den klappt das ja auch nicht so.’ Die meisten Leute stellen nämlich fest, dass sie selbst genauso sind. Der Widererkennungswert ist unglaublich groß! Die Leute sind so wahnsinnig gleich geeicht in ihrer Sexualität. Es gibt ganz, ganz wenige wirkliche Individualisten. Unter Individualist verstehe ich Männer oder Frauen, die zum Beispiel knallhart zugeben, dass sie nicht oft potent sind, weil sie arbeiten, weil sie Stress haben, oder so …
Sie reden immer über diese Potenz, immer über diesen Siegereffekt. Das hängt mit unserer Gesellschaft zusammen, weil, wenn du in einer Firma bist, und du bist der Schlaffschwanz und sagst ‚Ich kann heute nicht denken, weil ich müde bin’, dann bist du ein Arschloch, dann bist du eigentlich auf der Kündigungsliste. Du wirst heute in der Schule getreten, im Kindergarten fängst an oder bei deiner Omi, dann machst du irgendein’ Job und da musst du immer Leistung bringen. Der strahlende Gewinner in einer Firma, der Jungmanager, ist auch der, der die strahlende Frau auf der Gartenparty neben sich hat. Diese strahlende Frau muss eine tolle, durchtrainierte Frau sein, und da muss das Sexualleben funktionieren, ja! Da werden die Abspritzer gezählt. Es ist ja alles nicht wahr: Dieses Größendenken, das wir immer noch haben, dieses ewige Diskutieren über die Schwanzlänge, obwohl sie alle wissen, dass die Größe des Penis’ für einen Orgasmus überhaupt nicht interessant ist. Ich hab’ den ersten Piss-Film in Deutschland produziert. Dann fingen sie alle an, und es wurde pausenlos gepisst. Da habe ich mir gesagt: Wenn die ihr Pissen drehen, dann drehe ich es nicht mehr. Ich hab’
den ersten Faust-Fick in Deutschland gemacht. Jetzt haben sie alle Faust-Fick gemacht. Da lass’ ich es auch sein. Man muss heute witzig und kurz drehen, muss Storys wieder ‘reinbauen. Vor allen Dingen auch deswegen, weil wir ein neues Potential an Zuschauern haben, und zwar die Frauen. Das ist eine Gruppe, die sehr extrem guckt, die auch sehr viel extremere Pornographie akzeptiert, aber die diese Pornographie mundgerecht in Stückchen serviert bekommen will. Die Frauen wollen also langsam hingeführt werden und dann kann der Höhepunkt viel extremer und härter sein, als die Männer es je akzeptieren. Der Porno zeigt Träume, und ich versuche immer, in die Träume der Leute ‘reinzukriechen, um ‘rauszukriegen, was sie gerne sehen möchten. Ich hab’ immer so Standard- Szenen. Zum Beispiel die Szene: Nachts nach Hause kommen, im Hausflur einen Fick, ‘nen Quickie – auf der Mülltonne. Ich weiß von vielen Frauen, dass sie das gerne mal machen möchten. Ich liebe Frauen, die dominieren! Ich liebe es! Weil es auch der Traum des Mannes ist. Der arbeitende Manager, der abends schlaff nach Hause kommt, träumt von der Frau, die die Initiative ergreift, weil er sich endlich mal hinlegen und sagen kann: ‘Ach schön, jetzt machst Du es mal!’ Also, ich liebe Frauen, die dominieren. Ich schwöre ‘s Euch: Ist doch ‘ne geile Kiste, sie bläst dir den Schwanz und schiebt dir ‘n Finger in’ Arsch. Und dann sagst sie: ‘Na?!?’ Dann spürst du das und da merkst du, wie dir die Eier platzen. Mein größter Wunsch wäre übrigens, dass Porno wieder verboten wäre! Dann würde die ganze Mainstream- Scheiße erstmal vom Markt wegkommen und man könnte im Underground wieder richtig gute Pornos machen. Wenn das dann wieder erlaubt wäre, würde ein ganz kleiner Haufen von Fachleuten übrig bleiben.“